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Auszeit in Afrika

Öfter mal was Neues ausprobieren, nicht stehen bleiben und sich immer weiterentwickeln. Das ist der wohl meist genannte Vorsatz, wenn es darum geht beruflichen Erfolg oder auch privates Glück zu erleben. Wenn dann aber tatsächlich Veränderungen anstehen, sich die Welt um einen herum schneller dreht als gewöhnlich und man gerade jetzt doch rundum zufrieden ist, kann man fast immer zwei Verhaltensweisen erkennen: Erstens, an seiner Situation festhalten und möglichst wenig von allem Neuen spüren. Zweitens, die Herausforderung annehmen und das Beste daraus machen. Wenn aber beides leichter gesagt als getan ist, dann gibt es auch Drittens, den Blickwinkel ändern. Für eine Zeitlang ganz objektiv den Veränderungen gegenüberstehen, sich eine Auszeit nehmen und auf Pause drücken. Am besten so lange, bis man tatsächlich selbst eine Perspektive gefunden hat, aus der die Veränderungen viel besser zur Geltung kommen.

Meine eigene Auszeit habe ich in Afrika verbracht und so ging es im April 2016 für drei Monate nach Kenia. Ich habe hier in einer Organisation für junge Mütter und deren Babys mitgearbeitet und gemeinsam mit mehreren Betreuern versucht, ihnen eine Bildung / Ausbildung zu ermöglichen, die den anschließenden Start in ein eigenständiges Berufsleben vereinfacht. In dem kleinen afrikanischen Buschdorf wohnen etwa zehn junge Mädchen zusammen mit ihren Kindern in einfachsten Verhältnissen. Auch ich war hier immer mittendrin und durfte während dieser Zeit in ein ganz anderes, simples Leben eintauchen. Die Babys habe ich sofort ins Herz geschlossen und neben täglichem Deutsch- und Schwimmunterricht habe ich mich am liebsten als „Nanny“ bewiesen und die Kleinen bis zur Erschöpfung ausgetobt. So schwer die erste Eingewöhnung mitten im Nirgendwo auch war, so belebend, begeisternd und wahnsinnig schön sind die weiteren Monate verlaufen. Ich habe durch die Babysprache Suaheli gelernt, mich super einheimisch gefühlt, mit den Mädels viel und laut gelacht und Freundschaften geschlossen. Bei Ausflügen allein durch den Busch meinen Mut immer wieder herausgefordert und natürlich auch Strand und Safari nicht zu kurz kommen lassen. 

Da es für mich das erste Mal war, dass ich tatsächlich so lange von Zuhause weg war, habe ich diese Zeit besonders intensiv wahrgenommen. Vor allem die kulturellen Unterschiede haben mich sehr geprägt. Ich sehe Land und Leute nun aus meiner eigenen rosa Brille (auch wenn dort längst nicht alles bezaubernd ist!) und konnte mir über vieles selbst ein Bild machen. Ich habe gelernt, Vorurteile wirklich komplett abzustellen, die Menschen um mich herum als Persönlichkeiten kennenzulernen und mich selbst weniger wichtig zu nehmen. Ich weiß nun was Kommunikation auch bedeuten kann: immer und immer wieder nachfragen, ausnahmslos selbst Informationen einzufordern und einen Dialog einzig durch Eigeninitiative am Leben zu erhalten. Den Kenianern fehlt neben einem richtigen Kalender auch jegliches Zeitgefühl für kommende Wochen und Monate, was die Lebensqualität für mich jedoch stark verbessert und den Sinn meiner Auszeit gerade erst unterstrichen hat.

Auch wenn nach vielen gemeinsamen Erlebnissen der Abschiedsschmerz aus meinem Kinderdorf riesengroß war, so freute ich mich dennoch unglaublich auf meine Lieben Zuhause, auf eine Waschmaschine und eine funktionierende Stromversorgung, auf meine vertraute Wohnung und (wer hätt’s gedacht?!) auf einen stressigen, europäischen Arbeitsalltag mit vollem Terminkalender und neuen Herausforderungen und Chancen, die es anzunehmen gilt. 

Verena Geierhos