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Ein Projekt wie Africachild ist unbezahlbar

Lesenswert.
(Volunteerbericht von Verena)

Irgendwie wollen wir doch alle helfen und was tun. Oder wir wollen uns selbst weiter entwickeln und unsere Lebensläufe mit Auslandsaufenthalten aufbessern.

Afrika war irgendwie schon immer in meinem Kopf und ich wollte dort unbedingt eine Zeit lang leben und helfen. Als ich dann durch Zufall auf dieses Projekt stieß musste ich nicht lange überlegen. Auch in Deutschland lag mein Studiumsschwerpunkt auf Mutter-Kind-Interaktionen und nebenberuflich hatte ich schon mit minderjährigen Müttern und ihren Kindern sowie in der Jugendhilfe und mit traumatisierten Patienten gearbeitet.

Ich rief also Raimund an und wir verabredeten uns zu einem Einführungsseminar. 3 Wochen später ging es für mich in den Flieger. Allein nach Kenia.

Dort angekommen erwartete mich ein Land der Gegensätze. Die Landschaft war wunderschön, aber die Menschen bitterarm. Kenia wird immer als ein reiches afrikanisches Land dargestellt. Als „Vorzeigeland“, aber dort angekommen erlebte ich anderes. Die Menschen waren verunsichert durch die politische Situation. Auch mir ging es so. Die Menschen dort wollen und brauchen Veränderung, aber durch die Wahlen ist eine solche nicht zu erreichen gewesen. Die Menschen sind frustriert. Lebensmittel werden immer teurer, sodass es auch denen mit Arbeit schwer fällt ihr tägliches Leben zu bestreiten. Es gibt wenige Reiche und viele Arme. Dazwischen kaum etwas. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht irgendwelche Kinder sponsoren könnte, da weiterführende Schulen dort viel zu teuer sind. Der Tourismus ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Hotels verfallen oder werden nur von Politikern gekauft um Schwarzgeld zu waschen. Korruption ist normal.

Obwohl ich schon viel außerhalb von Europa gereist bin schockten mich diese Aspekte der Kultur. Alles dreht sich ums Geld. Wer weiß ist hat automatisch Geld. Und das haben wir im Vergleich ja auch. Jeder Deutsche kann studieren. Dort können dies nur die privilegierten Kinder. So etwas wie Bafög gibt es nicht. Auch das Schulsystem ist anders aufgebaut. Ich traf zum Beispiel viele Menschen die trotz Schulabschluss wenig über die kenianische Geschichte wussten.

Vertrauen ist dort Fehlanzeige. Noch nicht mal in Ehen wird vertraut. Aber es ist auch kein Wunder, wer vertraut wird beschissen und verliert. Nicht nur wir weißen werden abgezockt, sondern auch Arbeitgeber und Kunden.

 Und dort in diesem Projekt von weißen werden nun andere Werte gelebt. Mädchen für die Missbrauch an der Tagesordnung war lernen, dass sie sich auch für sich einsetzen dürfen. Ja sogar müssen. Und nicht nur für sich auch für ihre Kinder.

Ich hörte Geschichten von Mädchen, die mit 13 in die Ehe verkauft wurden, obwohl dies offiziell verboten ist. Dort werden sie jahrelang missbraucht und wenn sie dann vor dem 18. Lebensjahr schwanger wurden, wurden sie der Familie zurückgegeben. Wie Ware! Weil man durch eine Schwangerschaft vor 18 Jahren ja auffliegen könnte.

Ich war so oft fassungslos.

Schulwege sind mitunter eine Stunde Fußmarsch lang. Und auch hier wurden Mädchen vergewaltigt. Teilweise wurde ihnen dafür Geld hin geschmissen, was sie mit nach Hause brachten und die Familie damit ernährten bis der Vater sie wieder los schickte nochmal Geld zu besorgen. Der Grad durch Hunger in die Prostitution abzurutschen ist schmal. Aber was machen Mädchen sonst? Es wird eher den Jungs eine Ausbildung bezahlt. Für Mädchen bekommen die Eltern Geld sobald sie sie verheiraten. Jungs müssen ihre Frauen bezahlen.

Ein Projekt wie Africachild ist dort unbezahlbar. Das Schicksal hat den Mädchen traumatische Erfahrungen beschert. Und auch Kinder. Abtreibung ist illegal in Kenia. Und Kinder sind ganz normal und einfach da. Aber die Schule kann mit einem Kind nicht mehr besucht werden. Ohne Africachild hätten die Mädchen keine Chance. Und durch sowie mit ihrem Kind bekommen sie eine Chance. Die traumatische Erfahrung kann so also in etwas Gutes umgedeutet werden.

Im Projekt von Africachild bekommen die jungen Mütter und ihre Kinder nicht nur regelmäßiges Essen und ein Dach über dem Kopf, sondern auch medizinische Versorgung, menschliche Wärme und Hilfe bei der Kindererziehung. Sie lernen neue Werte, für sich zu sorgen und zusätzlich können sie noch eine Ausbildung machen. Die Chancen als Friseurin, Schneiderin oder Zimmermädchen einen Job zu bekommen stehen gut.

Ich als Volunteer musste also erst mal meinen Platz finden. Die Strukturen stehen und jeder Mitarbeiter hat seine eigenen Aufgaben.

Als Psychologin erkannte ich schnell Problembereiche und Ressourcen der Mädchen. Doch nun war ich auf mich allein gestellt sinnvolle Interventionen für eine andere Kultur zu etablieren. Und dies noch mit meinen begrenzten Swahili Kenntnisse und schlechten Englischkenntnissen der Mädchen. Obwohl Englisch auch Amtssprache ist konnten manche Mädchen die Schule nicht lange genug besuchen um genug es zu lernen. Also musste ich kreativ werden. Teilweise führte ich englische Wörter zuerst ein, teilweise übersetzen Mitarbeiter oder wir verständigten uns nonverbal.

Ich entwickelte ein Trainingsprogramm mit dem die Mädchen mehr über ihre eigenen Emotionen und die Emotionen ihrer Kinder lernen konnten. Zusätzlich machten wir Kommunikationstraining und Erziehungsberatung. Auch zu spezifischen Fragen der Mädchen. Auch die Erzieher nutzen meine Kompetenzen immer für spezifische Fragen zu einzelnen Kindern.

Zusätzlich konnte ich im Marketing helfen. Obwohl monatlich Geldspenden aus Deutschland kommen reichen diese nicht aus um auch Instandhaltungskosten zu decken. Es müssten eigentlich die Dächer (Makutis) der Häuser der Mädchen, des Büros und der Küche repariert werden. Auch die Autos werden älter und Reparaturen müssen gezahlt werden. Also soll ein Kochkurs für Touristen angeboten werden. Durch meine Computerkenntnisse und die Marketing Kurse aus dem Studium konnte ich das Projekt auch in diesem Bereich wunderbar unterstützen.

Als ich gerade meine Positionen gefunden hatte waren die 11 Wochen schon wieder um. Durch meinen Job in Deutschland und meine geldliche Situation konnte ich nicht länger bleiben. Was super schade war, da es unglaublich viel zu tun gibt und man unendlich viel zurück bekommt.

Jetzt sitze ich im kalten Deutschland und vermisse die Mädchen und alle Mitarbeiter die mir so toll begegnet sind. Von denen ich gelernt hab, wie wichtig Flexibilität ist und die von mir viel über Kommunikation und andere Dinge lernten.

Irgendwann werde ich das Projekt wieder besuchen und hoffe viel von dem was ich angestoßen habe umgesetzt zu finden. Auch wenn es anfangs schwer war, war es eine der besten Erfahrungen in meinem Leben und hat mich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiter gebracht.

Verena